Mein Monat ohne Luxus

Zum Abschluss meines „Mein-Monat-ohne“-Projekts hatte ich mir noch einmal eine schöne Herausforderung vorgenommen: einen Monat ohne Luxus. Und das ausgerechnet im konsumstärksten Monat des Jahres, dem Dezember.

Aber wie definiert man Luxus eigentlich? Ich dachte mir, ich sollte mich grob an den Vorgaben für Hartz-IV-Empfänger orientieren (warum das nicht ganz genau ging, erkläre ich gleich). Diese sahen 2015 wie folgt aus:

  • Ein Hartz-IV-Empfänger bekommt im Monat 399 Euro für den täglichen Bedarf. Das beinhaltet Lebensmittel, Kleidung, Gesundheitsvorsorge, Freizeitgestaltung etc.
  • Hinzu kommt Wohngeld in einer dem Wohnort angemessenen Höhe, im Schnitt um die 375 Euro (inkl. Heizung),
  • dazu werden die Sozialversicherungsbeiträge von rund 133 Euro vom Staat übernommen.
  • Außerdem gibt es 18,19 Euro Sozialgeld
  • und 5,88 Euro sonstige Leistungen (was immer das auch sein mag).

Alles in allem hat ein Hartz-IV-Empfänger im Monat etwa 750 Euro zur Verfügung (Genauer steht es hier in diesem Focus-Artikel.).

Nun bin ich aber ja nicht wirklich Sozialhilfeempfänger, weshalb einige Punkte schwer auf meine Finanzen übertragbar sind, das Wohngeld zum Beispiel. Schließlich wohne ich nicht alleine, aber mein Mann nahm an meinem Experiment nicht teil und konnte deshalb nicht mit eingerechnet werden. Hinzu kommen monatliche Ausgaben, die ich als Hartz-IV-Empfänger schlicht nicht hätte, zum Beispiel die monatliche Rate für meinen Bausparvertrag oder die Kosten für die tägliche 40-km-Fahrt in die Arbeit und zurück.

Aus diesem Grund habe ich mich für diesen Versuch also auf das Wesentliche, sprich die rund 400 Euro für den täglichen Bedarf beschränkt. Eines kann ich schon einmal verraten: Ich bin ganz gut mit dem Geld hingekommen, große Sprünge waren aber natürlich erwartungsgemäß nicht drin.

Ich bin allerdings gleich mit einem Fauxpas in den Monat gestartet. Ich hatte gar nicht daran gedacht, dass schon der 1. Dezember war, und mich mit Freunden zum Essen verabredet. Erst im Laufe des Abends fiel mir ein, dass mein neues Projekt ja bereits gestartet war. Doch da waren Schnitzel und Kartoffelsalat schon gegessen und die Getränke bereits getrunken. Am Ende musste ich 26 Euro hinlegen. Statt der für Hartz-IV-Empfänger vorgesehenen 7,90 Euro im Monat für „Gastgewerbedienstleistungen“ hatte ich schon am ersten Tag das Dreifache ausgegeben!

Danach war ich gewarnt und habe versucht, so sparsam zu sein, wie möglich. Geholfen hat mir dabei, dass mich in der zweiten Dezemberwoche eine Erkältung dahingerafft hat und ich zu Hause bleiben musste. Hinderlich war dagegen die Mittagspause an meinen Arbeitstagen. Statt mir ständig etwas zu essen zu kaufen, habe ich meistens versucht, mir etwas mitzunehmen – und deshalb oft alleine gegessen.

Auch Freizeitaktivitäten gehören ins 400-Euro-Budget (Dieses Tortendiagramm zeigt, wie sich das Monatsbudget genau zusammensetzt). Am 16. Dezember zum Beispiel war ich mit Freunden beim DFB-Pokalspiel des FCN gegen Hertha BSC. 22 Euro hat mich die Karte gekostet, 3,50 Euro der Hot Dog und 3,90 Euro die Apfelschorle – ein teurer Spaß und dann hat der Club auch noch verloren! Etwas peinlich war mir, dass ich am Ende von meinen Freunden das Geld für die Getränke, die ich besorgt hatte, einfordern musste.

Ein großes Dankeschön muss ich meinen Mädels sagen, mit denen ich mich am 19. Dezember zum „Ladies X-Mas“ beim Italiener traf. Ich wollte einfach nur Nudeln essen und ein Wasser trinken. Doch Christiane bestand drauf, ihre Vorspeise mit mir zu teilen und Martina und Marina übernahmen die Rechnung für den Wein. So kam ich am Ende eines fantastischen Dinners mit sagenhaften 15 Euro davon und konnte mir im Anschluss in einer Bar noch einen Gin Tonic für 7,50 Euro genehmigen. Allzu oft kann man so etwas natürlich nicht machen.

Einmal habe ich sogar einen ausgegeben: Martin und Thomas habe ich am Christkindlesmarkt einen Glühwein für je 2,50 Euro spendiert – das war gerade noch im Budget. Und Martina und Christiane konnte ich auf dem Laufer Weihnachtsmarkt auf einen Glühwein einladen, weil ich noch drei Warengutscheine dafür hatte.

Fassen wir das Ganze einmal zusammen:

  • Nahrungsmittel (ohne Essen gehen): rund 110 Euro
  • Ausgehen: ca. 90 Euro
  • Weihnachtsschmuck, Christbaum und Christbaumständer (anteilig): ca. 50 Euro
  • Einkauf bei Ikea: 40 Euro
  • Handy: 20 Euro
  • iTunes: 10 Euro
  • Sonstiges: ca. 100 Euro

Macht alles zusammen rund 420 Euro. Das ist zwar etwas drüber, aber der Ikea-Tripp war wirklich dringend nötig 😉

Wer sich nun fragt, wo denn da die Weihnachtsgeschenke sind: Ja, richtig. Dafür habe ich insgesamt rund 90 Euro ausgegeben, aber ich habe von der Familie in diesem Jahr Bargeld geschenkt bekommen, was das locker wieder aufgewogen hat. Deshalb habe ich die Weihnachtsgeschenke aus dem normalen Budget herausgerechnet.

Mein Fazit: Es ist durchaus möglich, mit 400 Euro im Monat auszukommen, aber es ist alles andere als leicht – vor allem wenn man sonst einen anderen Lebensstandard gewohnt ist. Besonders schwierig stelle ich es mir vor, auch noch ein paar Euro im Monat für besondere Anschaffungen, wie eben zum Beispiel Weihnachtsgeschenke, zur Seite zu legen.

Dabei habe ich mir im Dezember kaum etwas Besonderes erlaubt. So habe ich mir kein einziges Kleidungsstück gekauft, war wenig aus und habe Weihnachten und Silvester im kleinen Kreis und mit kleinem Budget gefeiert. Schön war es trotzdem und ich bin noch dankbarer als vorher, dass ich nicht immer mit so wenig Geld auskommen muss.

Ich musste das jetzt nur einen Monat lang durchhalten, aber wie muss es sein, wenn man jahrelang von Hartz-IV lebt? Neben der Stigmatisierung durch die Gesellschaft und mancher psychischer Probleme, welche die Langzeitarbeitslosigkeit mit sich bringen kann, sind gewisse Dinge, die für den deutschen Mittelstand selbstverständlich sind, für Hartz-IV-Empfänger schlicht unerreichbar. Im Biomarkt einkaufen, ins Fitness-Studio gehen, mit Freunden am Wochenende einen drauf machen, teure Klamotten shoppen – ganz zu schweigen von Urlaub – all das ist mit diesem Geld kaum drin. Beim Arzt gibt es nur das Sparprogramm und auch bei der Wohnungsgröße redet der Staat natürlich mit.

Noch eines sei an dieser Stelle gesagt: Die kleinen Dinge haben in diesem Monat den Unterschied gemacht. Dass wir uns mit Freunden zu Hause treffen konnten, statt zusammen auszugehen, um Geld zu sparen, dass mich so viele liebe Menschen unterstützt haben, dass sie Verständnis für meinen Geldmangel und Interesse an meinem Selbstversuch gezeigt haben, darüber habe ich mich wirklich sehr gefreut. Und das – Klischee hin oder her – kann man sich für kein Geld der Welt kaufen!