Mein Monat (fast) ohne Plastikmüll

Dass es schwierig werden würde, keinen Plastikmüll zu verursachen, hatte ich mir auch vor meinem Versuch im November gedacht. Aber dass es nahezu unmöglich sein würde, finde ich jetzt doch etwas schockierend.

Um nachvollziehen zu können, wie viel Plastikmüll ich trotz meines Projekts produzieren würde, hatte ich mir am Anfang des Monats einen Gelben Sack zurecht gelegt, in dem ich alles sammeln wollte, was an Tetrapacks, Folie und Co. anfallen würde.

Normalerweise sind Thomas und ich immer heilfroh, wenn nach zwei Wochen der Gelbe Sack von der Müllabfuhr abgeholt wird, denn da kommt meistens recht schnell einiges zusammen. Dieses Mal war mein Beutel nach einem Monat etwa zu einem Drittel gefüllt (siehe Foto) – obwohl ich wirklich versucht hatte, Plastik zu umgehen. Aber der Reihe nach.

Warum die exzessive Verwendung und Verschwendung von Plastik, wie sie global betrieben wird, nicht gut ist, muss ich wohl nicht allzu ausführlich erklären. Jeder sollte die Bilder von Müllteppichen, die auf den Weltmeeren treiben, und Seevögeln, die an Plastikkapseln ersticken, vor Augen haben. Dass wir uns selbst langsam aber sicher mit Plastik, das in unsere Nahrungskette gelangt, vergiften, sollte auch den größten Umweltmuffel aufhorchen lassen. Hinzu kommt, dass das begehrte und günstige Verpackungsmaterial aus Erdöl hergestellt wird, das – wie wir wissen – nun mal ein begrenzt verfügbarer Rohstoff ist. Wer mehr wissen möchte, kann sich zum Beispiel diese interessante Dokumentation ansehen (dauert etwa 1,5 Stunden), die auch Alternativen aufzeigt.

Alternativen habe auch ich im November gesucht und in vielen Fällen sogar gefunden: Plastiktüten durch Papiertüten ersetzen oder einfach einen Jute-Beutel zum Einkaufen mitnehmen – das war ja einfach. Saft in Glasflaschen statt in Tetrapacks besorgen: kein Thema. Shampoo, Conditioner und Body-Lotion ohne Plastikverpackung finden? Auch noch kein echtes Problem. Statt in flüssiger Form habe ich alle drei Produkte in fester, quasi als Seife, entdeckt. Das war zwar etwas ungewohnt und auch ein wenig nervig, weil es länger dauerte, aber es ging.

Doch es gab auch Dinge, die ich ohne Plastik einfach nicht finden konnte. Beispiele gefällig? Versucht mal Klopapier, Küchenrolle oder Papiertaschentücher zu bekommen, die nicht in quietschbunter Folie stecken. Ich habe in mehreren Super- und Biomärkten sowie in Reformhäusern vergeblich gesucht. Ebenso ist es mir mit Make-up ergangen und mit den meisten Medikamenten. Als besondere Schwierigkeit kam bei mir hinzu, dass es laktosefreie Produkte einfach nicht in Glasbehältern zu geben scheint. Nach wochenlangem Suchen habe ich endlich in einem Reformhaus Sojamilch in der Glasflasche entdeckt – ungesüßt und widerlich.

Bei anderen Produkten wurde ich negativ überrascht: Beim Auspacken einer Tafel Schokolade aus einer Papierschachtel musste ich entdecken, dass die Süßigkeit noch einmal extra in Plastik verpackt war. Auch die Spühlmaschinentabs mögen zwar in einer Pappschachtel liegen, aber auch sie sind alle noch einmal einzeln verpackt. Und dann habe ich in der Arbeit auch noch einen Kleiderbügel zerbrochen – auch der ist im Gelben Sack gelandet.

Der Plastik-GAU allerdings passierte, als wir unsere neue Wohnzimmereinrichtung abholen konnten, die wir Wochen zuvor schon bestellt hatten. Vier gelbe Säcke voll mit Plastik mussten wir nach dem Auspacken eines Sofas, eines Sideboards und eines Regals entsorgen! Experiment gescheitert, würde ich sagen. So viel Müll hatten wir im zuvor in kaum einem Monat produziert …

Interessant fand ich die Reaktionen der Leute, die ich nach alternativen Verpackungen für meine Einkäufe gefragt habe. Der Obsthändler wurde erfinderisch und packte mir Salat, Tomaten und Obst in Papiertüten und einen ausgemusterten Karton. Und der Maroni-Verkäufer stieg gleich in eine Debatte über unsere Wegwerfgesellschaft ein.

Die wenigsten finden Plastik gut, doch noch wenigere tun wirklich etwas dagegen. Immer wieder gibt es allerdings Experimente von Menschen, die versuchen, anders klar zu kommen: Viele Anregungen findet man zum Beispiel auf dem Blog www.lebenohneplastik.de oder bei Bea Johnson, die nach eigener Aussage seit 2008 gleich ganz ohne Müll auskommt (www.zerowastehome.com).

Mein persönliches Fazit: Es war mir einfach nicht möglich, ohne größere Vorbereitung und extreme Anstrengungen keinen Plastikmüll zu verursachen. Ich konnte ihn allerdings stark reduzieren (naja, wenn man mal von der Möbelverpackung absieht).

Ich finde es wirklich traurig, dass es so schwer sein muss, Plastik zu umgehen. In manchen Supermärkten findet man kaum einen unverpackten Apfel, geschweige denn sonstige verpackungsfreie Produkte. Und selbst in Biomärkten glotzen einem Polypropylen und Polyethylen aus allen Regalen entgegen.

Selbst ein generelles Verbot von Plastiktüten, wie Kalifornien es 2014 ausgesprochen hat, wird am Ende nicht das Allheilmittel sein – aber es ist immerhin ein Anfang. Denn es müsste schon ein Umdenken in den Köpfen der Verbraucher und auch der Hersteller geben. Wirklich schade, dass die Industrie sich hier nicht mehr Mühe gibt und es viele Verbraucher offenbar nicht einmal interessiert. Schade und vor allem sehr bedenklich …