Mit dem Fahrrad zum Möbelhaus

Mein Monat ohne eigenes Auto hat mir einige interessante Erkenntnisse gebracht. Zum Beispiel, dass man keine Granitsteine verschenken sollte und zu Ikea am besten mit dem Roller fährt. Aber der Reihe nach …

Ich bin niemand, der jede 500-Meter-Strecke mit dem Auto zurücklegt oder unbändigen Spaß am Fahren hat. Aber ich genieße ihn schon, den Komfort, den ein eigener fahrbarer Untersatz mit sich bringt: genau dorthin zu gelangen, wohin ich möchte, ohne auf Abfahrtszeiten oder freie Sitzplätze angewiesen zu sein, Einkäufe bequem transportieren zu können und in privater Atmosphäre telefonieren oder zur Lieblingsmusik lauthals mitsingen zu können.

Dabei verkenne ich auch die Nachteile nicht: Stau, fehlende Parkplätze, ein leerer Tank, wenn man ihn am wenigsten braucht, renitente Fußgänger und Radler und natürlich andere nervige Autofahrer, die vor einem her schleichen, die Vorfahrt nehmen oder Einfahrten blockieren.

Doch anders als gedacht, habe ich mein Auto gar nicht so sehr vermisst. Dafür war das Fahren mit den Öffentlichen viel zu einfach und bequem. Dabei profitiere ich natürlich von der zentralen Lage unserer Wohnung, 100 Meter von der nächsten U-Bahn-Haltestelle, zwei Gehminuten von zwei Bushaltestellen und nur etwa zehn Minuten zu Fuß vom Hauptmarkt entfernt. Selbst die Fahrt zur Freundin am Stadtrand dauert mit dem Rad gerade einmal 20 Minuten und das Kaffeetrinken in Fürth wird dann eben von einer kleinen Radltour eingerahmt.

Dabei habe ich auch noch etwas für die Umwelt getan. Auf der Seite von Autobild.de habe ich eine einfache Formel gefunden, mit der man den CO2-Ausstoß seines Autos berechnen kann. Benziner: 24 x Verbrauchswert x Kilometer / 1000 ergibt die Menge in Kilogramm (Diesel: 27 x Verbrauchswert x Kilometer / 1000).

Demnach produziert mein Mazda pro Kilometer etwa 0,2 kg CO2. Bei meinem Arbeitsweg von insgesamt etwa 40 Kilometern macht das 8 kg am Tag – das Ganze im Schnitt vier Mal die Woche, macht 24 kg. Nimmt man weitere Privatfahrten dazu, habe ich in diesem Monat wohl etwas über 100 kg CO2 eingespart. Bahnfahren verbraucht zwar auch CO2, aber wesentlich weniger: Auf 40 km sind es nur 3 kg – und das für wesentlich mehr Fahrgäste. (Den eigenen CO2-Verbrauch ausrechnen kann man zum Beispiel auf dieser Seite hier: http://bit.ly/1LbmVAY).

Es gibt aber auch Momente, in denen ein eigenes Auto echt Gold wert ist. Zum Beispiel um zu den Eltern zu gelangen, die 50 km entfernt wohnen (vor allem wenn die Bahnstrecke gesperrt ist). Das war auch mein einziges Scheitern in diesem Monat (siehe auch meinen anderen Bericht zum Thema.)

Schweißtreibend wurde es, als ich einen mehrere Kilo schweren Granitstein durch den Stadtpark bis zu uns nach Hause schleppen musste. Warum? Thomas hat von mir einen Gutschein für einen Steinmetzkurs zum Geburtstag bekommen – in Form von Stein und Meißel. Und auch der Einkauf im Mercado gestaltete sich schwierig. Auf der Rückfahrt mit dem Fahrrad muss ich ausgesehen haben, wie einer dieser verrückten Fahrrad-Transporteure in Indien oder China (siehe Bild) – naja fast.

Was gar nicht ging im September war Golfen. Oder habt ihr schon mal jemanden mit Golfbag in der U-Bahn gesehen? Nein? Dafür gibt es gute Gründe: Das sperrige Equipment und die idyllische Lage der Plätze mitten im Grünen – meist ohne jeglichen Anschluss an die Öffentlichen.

Seltsam war es auch, mit Rad bzw. Roller zum Möbelhaus zu fahren, um ein Sofa zu kaufen. Bei XXXLutz haben wir überhaupt keine Fahrradständer gefunden und die Räder stattdessen am Zaun festgemacht. Zu unserem Glück gab es keine passenden Mitnahmemöbel und die Lieferzeit unserer neuen Couch beträgt Wochen.

Ein paar fragende Blicke haben wir von all den Pakete schleppenden Einkäufern bei Ikea kassiert, als wir dort mit dem Roller aufschlugen. Obwohl wir dadurch gleich zwei entscheidende Vorteile hatten: Wir konnten direkt vor dem Eingang parken und hatten am Ende keine blaue Riesentüte mit Krimskrams unterm Arm, den wir eigentlich gar nicht brauchen: Geschirrtücher, Strohhalme oder das x-te Set Duftkerzen.

Mein Fazit: Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, ist das Leben ohne Auto ganz schön entspannt, hält fit und schont die Umwelt. Außerdem geht es in vielen Fällen sogar schneller – zumindest innerhalb der Stadt. Deshalb bleibt mein Mazda in Zukunft bestimmt noch öfter stehen … außer zum Golfen natürlich.