Mein Monat ohne eigenes Auto

Seit gut zwei Wochen versuche ich nun schon ohne mein Auto auszukommen. Das heißt nicht, dass ich gar nicht fahren darf. Ich möchte nur unter realistischen Bedingungen herausfinden, wie ich damit zurecht käme, kein eigenes Fahrzeug nutzen zu können.

Mein autofreier Monat hat sich bisher gut angelassen. Ich nutze recht häufig die öffentlichen Verkehrsmittel, lasse mich von Freunden oder Arbeitskollegen mitnehmen, steige aufs Rad oder laufe zu Fuß. In der Arbeit kann ich das Redaktionsauto nutzen, wenn ich auswärts einen Termin habe.

Ein einziges Mal habe ich bisher gegen meinen Vorsatz verstoßen und doch das eigene Auto benutzt. Und zwar am Tag unserer Rückkehr aus Irland. Wir hatten in der Nacht zuvor nur etwa drei Stunden geschlafen, weil unser Flug zurück nach Frankfurt schon früh am Morgen ging. Als wir endlich am Nachmittag in Nürnberg ankamen, fielen wir völlig übermüdet auf die Couch, nur um uns schon wenige Stunden später erneut aufzurappeln. Mein Vater hat an diesem Tag seinen Geburtstag beim „Toni“ in Vorra gefeiert – das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Doch selbst wenn der Zug ganz normal fährt, dauert es schon eine Stunde, bis der Bummelzug dort endlich in den Bahnhof rattert. Aber da momentan Gleisarbeiten durchgeführt werden, gibt es einen Schienenersatzverkehr per Bus. Und das wollten wir uns an diesem Tag beim besten Willen nicht antun.

Davon abgesehen war ich bisher brav und habe viele verschiedene Möglichkeiten der Fortbewegung verglichen. In der ersten Septemberwoche waren wir ja noch in Irland unterwegs, wo wir ein Mietauto hatten. Eine echte Alternative für zu Hause ist das auf Dauer aber natürlich nicht, weil es viel zu teuer käme. Die günstigsten Angebote für Mietautos in Nürnberg, die ich auf die Schnelle finden konnte, lagen bei rund 50 Euro am Tag.

Beim Carsharing-Anbieter Flinkster kann man ein Auto im günstigsten Fall immerhin schon ab 1,75 Euro pro Stunde bekommen – hinzu kommen 26 Cent pro gefahrenen Kilometer (hier geht’s zur kompletten Preisliste). Für kurze Strecken und Zeitspannen ist das durchaus eine Option. Genügend Stationen gibt es in Nürnberg jedenfalls. Um in die Arbeit nach Lauf zu fahren, kommt das für mich allerdings nicht in Frage. Alles in allem würde mir ein normaler Arbeitstag so fast 30 Euro kosten.

Die Öffentlichen sind da schon günstiger. Nach Lauf (Tarifzone 4) kommt man für 4,40 Euro – macht 8,80 Euro am Tag. Nicht wirklich billig, aber auch nicht teurer, als mit dem eigenen Auto zu fahren, wenn man Sprit und Verschleiß mit einrechnet. Noch günstiger fährt, wer sich ein Monatsticket kauft. Allerdings kostet die normale Mobicard in Tarifstufe 4 monatlich stolze 122,50 Euro, wer erst nach 9 Uhr morgens fährt zahlt immerhin noch 68 Euro (zur kompletten völlig verwirrenden VGN-Preiseliste geht es hier). Mein großes Glück ist, dass die Redaktion eine VGN-Gastkarte hat, die ich in diesem Monat kostenlos benutzen darf.

So spare ich mir sogar noch ein bisschen Geld – und ganz nebenbei auch noch Nerven. Denn die Fahrt mit den Öffentlichen – erst U-Bahn zum Hauptbahnhof, dann mit dem Zug nach Lauf – dauert gerade mal eine halbe Stunde und ist wesentlich entspannter, als mit dem Auto zu fahren. Dafür auch wenig flexibel. Denn die beiden Züge in Richtung Lauf fahren so kurz nacheinander, dass man fast eine Stunde lang warten muss, wenn man den zweiten verpasst hat. Die S-Bahn ist auch nicht optimal. Sie fährt zwar alle 20 Minuten, aber auf der anderen Seite der Stadt Lauf, was auch noch mal einiges an Zeit kostet.

Trotzdem könnte ich mich an durchaus daran gewöhnen, das Auto auch in Zukunft häufiger stehen zu lassen. In Nürnberg nutze ich es sowieso schon seit längerer Zeit kaum noch. Stattdessen nehme ich die Öffis, das Rad oder gehe einfach zu Fuß. Das nutzt auch noch der Gesundheit. Heute musste ich zum Schulanfang die Abc-Schützen in Schwaig und Behringersdorf fotografieren. Dazu habe ich die S-Bahn und dann den Weg zu Fuß gewählt und bin auf diese Weise, ohne es groß zu merken, auf fast 11.000 Schritte gekommen.