Mein Monat ohne Fernsehen

221 Minuten – also fast vier Stunden – sitzt der durchschnittliche Deutsche am Tag vor der Glotze. Nimmt man die Wochenenden mit dazu, könnte diese Zahl wohl auch für mich in etwa hinkommen. Das ist eindeutig zu viel, finde ich. Deshalb bleibt der Fernseher im Juli aus.

Fernsehen spielt tatsächlich eine nicht ganz marginale Rolle in meinem Leben. Ich sehe mir Nachrichtensendungen und Dokumentationen genauso interessiert an, wie Sport- oder Unterhaltungssendungen.

Vor allem wegen der Fußballübertragungen (die interessieren vor allem mich) und der Werbefreiheit haben Thomas und ich uns vor ein paar Jahren ein besonders günstiges Sky-Abo zugelegt. Seitdem spielen wir jedes Jahr das gleiche Spielchen: Wir kündigen, Sky bietet uns eine weitere Vergünstigung an, wir bleiben dabei. In diesem Jahr wird das allerdings anders laufen. Wir werden unser Abo definitiv nicht verlängern, denn unser Fernsehverhalten hat sich in den vergangenen Monaten verändert.

Schon seit einiger Zeit haben es uns vor allem Serien angetan und die lassen sich – trotz Aufnahmefunktion und kostenlosem Sky-Festplattenreceiver – viel bequemer über Streaming-Dienste ansehen, als im TV. Überhaupt scheint mir die Zeit, in der Fernseh-Intendanten für das Publikum entscheiden, wann es was sehen will, zu Ende zu gehen. Der Kunde entscheidet jetzt selbst, mit Pay-per-view und Monatsabos bei den großen Streaming-Diensten.

Inzwischen haben wir bereits kostenlose Probemonate bei Watchever, Netflix und Maxdome genutzt und bei Maxdome sogar seit ein paar Monaten ein Abo abgeschlossen. Das kostet 7,99 Euro im Monat und ich kann die verfügbaren Filme, Dokus und Serien dann sehen, wann ich es will.

Seitdem habe ich den Sky-Receiver kaum noch angeschaltet – lediglich Nachrichtensendungen und Sport sehe ich mir noch an. Ein Abo lohnt sich dafür definitiv nicht mehr.

Doch genau diese Verfügbarkeit von für mich interessanten Sendungen hat in den vergangenen Monaten auch zunehmend dazu geführt, dass ich mehr und mehr Zeit vor der Flimmerkiste verbracht habe. Denn jetzt läuft auf einmal immer etwas, das mir gefällt. Wenn ich abends müde auf die Couch falle, kommen mir ein schöner Film oder die nächste Folge der aktuellen Lieblingsserie gerade recht. Bücher bleiben liegen, wertvolle Freizeit verpufft.

Seit einer Woche ist das jetzt schon anders. Klar, im Juli werden viele sagen, ist das ja auch nicht schwer. Doch das stimmt für mir nicht so ganz. Denn da ich die extreme Hitze leider gar nicht gut vertrage, habe ich gerade in den vergangenen Tagen mehr Zeit in der (kühleren) Wohnung verbracht, als mir lieb war. Der Fernseher blieb trotzdem aus.

Bisher fehlt es mir kaum. Nur am Abend, vor dem zu Bett gehen, wäre es schon manchmal schön, noch eine weitere Folge von „Castle“, „Once upon a time“ oder „Mentalist“ zu kucken … Immerhin hat mir der Verzicht schon jetzt finanziell etwas gebracht: Als ich bei Maxdome anrufen musste, um zu kündigen, hat mir der freundliche Herr am Telefon angeboten, für die nächsten sechs Monate nur 2,66 Euro statt 7,99 Euro im Monat zu zahlen, wenn ich denn nur dabei bleibe. Da sage ich nicht nein – denn so viel ist mir Fernsehen vermutlich auch nach diesem Monat noch Wert.