Gleich morgen fange ich an, spätestens übermorgen …

Aufgaben gleich zu erledigen ist nicht meine Stärke. Beispiel gefällig? Ich lese den Wikipedia-Artikel zu Prokrastination. Thomas fragt: „Steht da auch, was man dagegen tun kann?“ Ich: „Ja, aber das les‘ ich später.“ Was klingt wie ein Witz, ist bei mir traurige Realität. Ich prokrastiniere sogar das Nicht-prokrastieren …

Dabei muss allerdings zwischen Arbeit und Privatleben unterschieden werden. Im Job schiebe ich deutlich weniger auf, und ich glaube, ich weiß auch warum. Bei einer Zeitung gibt es eindeutig Arbeitsschritte, Gespräche und Geschichten, die Priorität haben. Weil sie besonders aktuell, wichtig oder interessant sind. Andere können etwas länger liegen bleiben. Und ich habe nicht immer die Wahl, selbst zu entscheiden, welche das sind. Die tägliche Deadline zwingt mich, meine Aufgaben zu erledigen – Aufschieben geht nicht.

Im Privaten gibt es eine solche zeitliche Begrenzung meist nicht. Und selbst wenn, kann man einen Termin auch verstreichen lassen, Erledigungen verschieben: den Arztbesuch, den man längst hätte hinter sich bringen sollen, die Versicherung, die man schon seit langem kündigen wollte oder alte Klamotten auszusortieren, die das Tageslicht seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Es gibt schließlich niemanden, der einen überwacht, niemanden, den es wirklich stört, wenn man etwas schleifen lässt. Unangenehme Dinge werden einfach so lange aufgeschoben, bis es (fast) zu spät ist.

Einige Punkte konnte ich zwar bereits von meiner Prokrastinier-Liste streichen, das Problem ist nur: Es kommen ständig neue dazu! Deshalb ist die Liste mit den Sachen, die ich diesen Monat endlich angehen will, auch noch lang.

Immerhin habe ich soviel verstanden:
1. Es ist nicht reine Faulheit, die mich Dinge aufschieben lässt, ich habe oft einfach zu viel um die Ohren. Ich nehme mir so viel vor, dass, schon bevor ich überhaupt anfange, klar ist, dass etwas auf der Strecke bleiben muss.
2. Man muss manchmal Prokrastinieren, wenn man nicht verrückt werden will. Schließlich bedeutet Leben auch Entspannung und Spaß und nicht nur das ständige  Erfüllen unangenehmer Pflichten.
3. Wenn man schon etwas aufschiebt, um sich Luft zu verschaffen, sollte man nicht ständig ein schlechtes Gewissen deswegen haben.

An allen drei Punkten muss ich allerdings noch arbeiten. Und ich fange gleich am Donnerstag (nein, nicht heute) damit an. Denn dann fliege ich mit Freunden für ein langes Wochenende nach Rom. Die Liste bleibt zu Hause, ich gönne mir eine Auszeit von allen Verpflichtungen und ich werde es genießen – ganz ohne Reue 🙂

Um die Liste kann ich mich kümmern, wenn ich wieder zu Hause bin. Dann werde ich die Punkte, die darauf stehen, nach Priorität ordnen, um zumindest die wichtigsten noch im Juni zu erledigen oder anzuleiern. Versprochen. Ganz Bestimmt. 😉