Mein Monat ohne Prokrastinieren

„Prokasti-was?“, haben die meisten Leute mich gefragt, als ich ihnen mein Projekt für Juni genannt habe. Dabei ist das Prokrastinieren den meisten Menschen durchaus bekannt, sie kennen nur nicht das offizielle Wort für dieses unangenehme Verhalten.

Der Begriff ist vor allem im englischen Sprachraum tief verwurzelt, kommt aber ursprünglich aus dem Lateinischen und setzt sich zusammen aus pro „für“ und cras „morgen“, was procrastinatio, die Vertagung, ergibt. Prokrastination oder auch Aufschieben, Bummelei, ist laut Wikipedia „das Verhalten, als notwendig, aber unangenehm empfundene Arbeiten immer wieder zu verschieben, anstatt sie zu erledigen“. Zum ganzen Artikel geht es hier.

Beim Lesen des Wikipedia-Eintrags habe ich mich erschreckend oft wiedererkannt. Darin heißt es auch, dass manche Menschen „persönlichkeitsbedingt“ zur Prokrastination neigen und dass sie „es nur mit großer Überwindung“ schaffen, „Tätigkeiten in Angriff zu nehmen, die als langweilig empfunden werden und deren (emotionaler oder materieller) Gewinn erst sekundär oder langfristig entsteht.“

Genauso ist es bei mir. Statt „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auch morgen“ heißt es bei mir: „Was du heute kannst verschieben, musst du auch morgen nicht besorgen“. Doch auch wenn das Verschieben im ersten Moment vielleicht Erleichterung verschafft, verschärft sich die Situation dadurch meist nur noch mehr. Bei Wikipedia heißt es dazu: „Dabei sind sich die Betroffenen der ihnen durch das Verschieben entstehenden persönlichen Nachteile durchaus bewusst, was Unlust oder sogar Angst auslöst, die aber als Negativgefühle ihrerseits das In-Aktion-Treten erschweren oder gar unmöglich machen.“ So kann ein richtiger Teufelskreis entstehen.  

Wie dem auch sei, ich habe mir für Juni vorgenommen, mit dem Prokrastinieren Schluss zu machen. Auf die Idee hat mich erst vor kurzem ein Gespräch mit meinen Freundinnen Resi und Yvonne gebracht, in dem wir uns darüber beklagt hatten, dass wir Dinge so lange aufschieben, bis es fast zu spät ist. Yvonne meinte dann, dass dies doch ein gutes Projekt für meinen Blog wäre, und da ich es nicht gleich wieder aufschieben wollte, wurde der Verzicht auf die Prokrastination gleich auf den nächsten Monat gelegt. Dass ich dafür ein anderes, eigentlich für Juni geplantes Projekt nach hinten aufschiebe, ist mir dabei durchaus bewusst … 😉

Um besser nachvollziehen zu können, ob ich mich auch an meinen Vorsatz halte, habe ich in den vergangenen Wochen eine Liste mit Dingen erstellt, die ich seit geraumer Zeit vor mir her schiebe. Dabei sind am Ende über 50 Punkte zusammengekommen, von wichtigen Arztbesuchen bis hin zum Erledigen der Handwäsche, die sich im Wäschekorb ansammelt.

Die ersten Punkte konnte ich auch schon abhaken. So habe ich beispielsweise die Ergebnisse meiner Blutuntersuchung von meiner Hausärztin eingeholt, mein neues iPhone in Betrieb genommen, einen unserer zwei Staubsauger abgegeben und meine Abschlusskolumne für meinen Monat ohne Bewegungsmangel in der Pegnitz-Zeitung gleich am ersten möglichen Tag geschrieben.

Und noch einen weiteren Punkt, der auf meiner Liste steht, habe ich gestern zum ersten Mal in Angriff genommen: „Leute gleich treffen, nicht irgendwann“. Als Resi und ich deshalb gestern Abend am Ende des Bierfests im Nürnberger Burggraben sagen wollten „Lass uns mal bald wieder was machen“, habe ich stattdessen gleich einen Termin vorgeschlagen. Und den haben wir jetzt schon fest ausgemacht. Na also, war doch gar nicht so schwer!