Nicht schimpfen ist auch keine Lösung

Nach dem Versuch, vier Wochen ohne schimpfen und fluchen auszukommen, stelle ich fest: Ohne ist auch keine Lösung.

Schon nach etwa 14 Tage hatte sich für mich heraus kristallisiert, dass das Schimpfen nicht nur negativ zu bewerten ist, sondern durchaus etwas Befreiendes haben kann – solange man auf das richtige Maß achtet und sich nicht zu oft, zu heftig und vor allem zu lange aufregt. Statt direkt auf 180 zu schalten, wenn ich mich ärgere, überlege ich jetzt kurz, ob der jeweilige Vorfall es wirklich wert ist, aus der Haut zu fahren.

So habe ich in den ersten beiden Märzwochen fast alle Klippen umschiffen können. Egal wie stressig die Arbeit war, wie lange ich warten musste oder wie schlecht mein Vordermann Auto fuhr – ich bin ruhig und geduldig geblieben.

Nur eine handvoll Male habe ich mich aufgeregt und dann komischerweise wegen ganz unwichtiger Dinge. Zum Beispiel, als ich etwas online Bestelltes im Laden umtauschen wollte, aber unverrichteter Dinge wieder abziehen musste, weil ich statt des Kassenzettels den Retourenschein mitgenommen hatte. Warum mich gerade eine solche Lapalie aus der Fassung gebracht hat, kann ich mir selbst nicht erklären. Ich schätze, ab und zu muss der Ärger wohl einfach raus …

Schwieriger war das Zusammenreißen in der zweiten Monatshälfte – erstaunlicherweise im Urlaub. Entweder fiel es mir im Alltag leichter, mich an meine Vorsätze zu halten, oder mein Kessel brodelte nach zwei Wochen bereits zu stark, als dass der Deckel immer drauf bleiben konnte. Jedenfalls musste ich hin und wieder ein bisschen Dampf ablassen.

Naja, es war auch nicht wirklich ein Erholungsurlaub. Denn so fantastisch es auch war, in zwölf Tagen Washington, Philadelphia, New Haven, Boston und New York zu erkunden, es war auch irre anstrengend. Meine Füße wollten nicht mehr, mein Kopf konnte keine Zahlen und Fakten mehr aufnehmen und zu guter Letzt habe ich mir in der Eiseskälte New Englands noch eine dicke Erkältung eingefangen.

Dementsprechend hart die Rückreise. Der Rückflug von Newark nach München war mit 6,5 Stunden dank des starken Rückenwinds war sehr kurz, aber auch sehr holprig. Schlafen konnte ich nicht. Und nachdem ich drei Stunden fiebrig im Münchner Flughafen auf meinen Anschlussflug nach Nürnberg gewartet hatte, ist eine Oma beim Einsteigen in die Maschine gestürzt und es musste ein Arzt geholt werden. Erst mit eineinhalb Stunden Verspätung konnten wir den – dank Sturm Niklas – extrem turbulenten Heimflug antreten, der zum Glück ja recht kurz war.

Immerhin – nicht ich war es, die krank und mit über 14 Stunden Heimreise auf dem Buckel im Flugzeug rumgeschimpft hat. Auch nicht der Geschäftsmann neben mir, der zu spät zu seinem Termin kam. Wir sind ruhig geblieben, denn ändern konnte man es ja eh nicht. Ganz furchtbar hat sich dafür das Pärchen hinter uns aufgeregt, das einfach nur schnell von München nach Nürnberg wollte. Die sollten mal versuchen, weniger zu schimpfen 😉

Ach ja, ich muss ja noch meine Schulden einlösen. Ich hatte ja versprochen, für jeden Fluch einen Euro an das Nürnberger Tierheim zu spenden. Vor meinem Urlaub lag ich bei knapp 25 Euro. Weil ich es in den USA ein wenig verbummelt habe mitzuschreiben, werde ich pauschal 100 Euro überweisen. Das sollte hinkommen.