Fluchen ist gesund

Seit drei Wochen versuche ich, nicht zu fluchen und zu schimpfen. Das klappt mal mehr, mal weniger gut. Es gibt Tage, an denen ich komplett ohne Ausdrücke auskomme, an anderen muss ich vier oder fünf Striche auf meiner Liste machen.

Gut ist das immerhin für das Nürnberger Tierheim, denn für jeden Fluch werde ich am Ende des Monats einen Euro spenden – ein Vorschlag meiner Freundin Caro, die mich offensichtlich arm machen möchte. 😉

Wesentlich teurer können Kraftausdrücke aber den Kollegen im amerikanischen Fernsehen und Radio zu stehen kommen. Wiederholungstäter können laut Gesetz mit einem Bußgeld von bis zu 275.000 Dollar belegt werden (mehr hier). Jaja, die Amis …

Insgesamt bin ich überrascht, wie schnell dieses Experiment positive Auswirkungen auf mich hat. Ich bin entspannter – und das nicht erst seit ich Urlaub habe. Ist ja auch kein Wunder, denn wenn wir fluchen, wechselt unser Körper in den Kampf-oder-Flucht-Modus, wir sind in Alarmbereitschaft, wie britische Forscher herausgefunden haben: Stresshormone wie Cortisol werden freigesetzt, der Puls wird schneller und wir aggressiver. Das kann sich auf Dauer negativ auf unseren Blutdruck auswirken und krank machen (mehr hier).

Und auch der Beschimpfte zeigt körperliche Reaktionen: Bei Testpersonen, die sich Schimpfwörter anhören mussten, stellten sich die Nackenhaare auf, der Puls beschleunigte sich, die Atmung wurde flacher und die elektrische Leitfähigkeit der Haut veränderte sich.

Aber es ist auch durchaus gesund, seinen Ärger herauszulassen. So werden beim Fluchen Endorphine ausgeschüttet, die Schmerz und Stress lindern können. Außerdem verhindert ein kurzer Wutausbruch, dass sich negative Gefühle in unserem Gehirn anstauen. Wir sprechen nicht umsonst vom Dampf ablassen. (Wie das genau vonstatten geht, lest ihr hier).

Fluchen ist universell – in jeder Sprache der Welt gibt es Schimpfwörter – und vermutlich so alt wie unsere Fähigkeit, uns verbal zu äußern. Schriftlich sind Beleidigungen bereits vor 5000 Jahren in ägyptischen Hieroglyphen überliefert, wie der Spiegel in einem interessanten Beitrag zum Thema schreibt.

Angeblich ist jedes 200. Wort, das wir aussprechen, statistisch gesehen ein Kraftausdruck. Das überrascht mich wenig. Seit ich selbst mehr auf meine Sprache achte, stelle ich fest, wie oft andere Menschen Schimpftiraden loslassen. Hin und wieder mache ich sie dann darauf aufmerksam – ganz freundlich und mit einem Augenzwinkern versteht sich. Denn, wer im Glashaus sitzt sollte ja bekanntlich nicht mit Steinen werfen …