Mein Monat ohne – Fluchen und Schimpfen

Nachdem ich im Januar und Februar ganz greifbare und handfeste Dinge aus meinem Leben verbannt hatte, wird es im März etwas abstrakter: Ich werde mein Verhalten auf den Prüfstand stellen und versuchen, so wenig wie möglich zu fluchen und zu schimpfen.

Der Franke an sich ist ja weithin als Grantler bekannt. Und auch ich muss zugeben, dass ich des öfteren solche Charakterzüge an mir entdecke. Im Duden wird das Wort „Grant“, das aus dem bayerischen und österreichischen Sprachraum stammt, mit Übellaunigkeit und Unmut übersetzt. Auf der Seite bayerisch-lernen.de steht dazu weiter: „In Bayern reicht die Palette des Granteln von der vorübergehenden Mißmutigkeit des Sprechers bis hin zur grundlegenden Lebenseinstellung. Im letzteren Fall kommen dem Grantler ausschließlich muffig-rüde Wörter über die Lippen, die auch aus nächster Nähe nicht immer zu verstehen sind.“

Wer mich kennt, weiß, dass ich zwar keine grundsätzlich missmutige Lebenseinstellung habe, das Fluchen und Schimpfen bei mir aber dazu gehört. Dabei grantle ich nicht nur häufig, sondern mitunter auch gerne. Denn es kann auch sehr unterhaltsam sein, wenn man Geschichten ein wenig überspitzt und sie mit Selbstironie und Humor präsentiert.

Dabei befinde ich mich in bester Gesellschaft, wie sich bei Wikipedia nachlesen lässt: „Das Klische des Grantelnden spiegelt sich vom deutschen Schwank, der Commedia dell’arte, wie sie von Autoren wie Nestroy, Raimund oder Karl Valentin, aber auch Molière rezipiert wurde, und dem Heimatroman in volkstümlichen Theaterstücken bis in die heutigen Rundfunk- und Printmedien, z. B. im Komödienstadel sowie in Heimatfilmen wider.“ Der fränkische Kabarettist Matthias Egersdörfer hat daraus gleich eine ganze Karriere gemacht.

Trotzdem tut das ganze Geschimpfe auf Dauer nicht wirklich gut – weder dem Grantler selbst, noch seinen Mitmenschen. Vor allem, wenn er sich über jede Banalität aufregt und in Rage redet. Und so habe ich beschlossen, das Schimpfen und Fluchen einmal für einen Monat lang ruhen zu lassen.

Ganze 38 Minuten habe ich es geschafft, bis ich zum ersten Mal damit gescheitert bin. Es war 0:38 Uhr am frühen Sonntagmorgen und ich hatte gerade erst nach einem Monat mein Handy wieder angeschaltet und mich durch diverse Apps gewühlt, als es mir herausrutschte. Beim Anblick einer ganzen Reihe an Spam-Mails, die mir weiß machen wollten, dass ich mir einen großen Gewinn entgehen lassen würde, wenn ich nicht sofort den Anhang öffne, sagte ich: „Was ist denn das schon wieder für ein Scheiß.“ Ups. Da war es, das böse Wort mit S, das ich doch gerade erst gelobt hatte, einen Monat lang zu vermeiden.

An diesem ersten Tag ist es noch mindestens drei oder vier weitere Male gefallen. Einmal hatte ich es gar nicht bemerkt und musste von einem Freund darauf aufmerksam gemacht werden.

Bin ich denn wirklich so verroht, dass ich es nicht einmal einen Tag lang ohne Schimpfwörter schaffe? Ist es mir schon in Fleisch und Blut übergegangen oder brauche ich nur eine kurze Umstellungsphase? Und macht es überhaupt Sinn, nur an den Symptomen – also dem Fluchen und Schimpfen – herumzudoktern, ohne sich mit der Ursache auseinander zu setzen. Sprich: Warum ärgere ich mich überhaupt so oft?

Fragen über Fragen, denen ich im März nachgehen möchte. Wir werden sehen, ob ich lernen kann, Ärger zu vermeiden, oder ob mir nichts anderes übrig bleibt, als ihn herunter zu schlucken. Vielleicht finde ich ja Mittel und Wege, an meinem Verhalten zu feilen und – wer weiß –  vielleicht wird am Ende ja noch eine echte Lady aus mir. 😉