Noch vier Tage ohne

Im November musste ich mein Handy für zehn Tage zur Reparatur geben. Ich hatte eines der iPhones mit kaputtem Akku erwischt. Und weil das auch für viele andere Menschen in Nürnberg zutraf, musste ich bei der Apple-Tauschaktion eben diese Wartezeit in Kauf nehmen.

Ich hatte mir vorher schon ganz genau überlegt, wann es am wenigsten weh tun würde, ohne Handy zu sein, hatte mir extra ein altes Android-Phone mit wirklich winzigem Speicherplatz von Thomas geborgt, um erreichbar zu sein und googlen zu können. Und ich war heilfroh, als ich mein iPhone endlich zurück hatte. Ich habe mich beinahe wie ein halber Mensch gefühlt.

Jetzt bin ich schon dreieinhalb Wochen ohne mein Smartphone ausgekommen – und fühle mich, anders als erwartet, immer noch komplett. In den vergangenen Tagen habe ich es kaum bemerkt, weil mich – wie so viele andere – eine Erkältung dahingerafft hat. Und zu Hause auf der Couch ist das Handy wirklich überflüssig.

So unspektakulär es auch ist: Es ist überhaupt kein Problem, eine Weile auf das iPhone zu verzichten. Hätte ich das gewusst, hätte ich dafür nicht den kürzesten Monat des Jahres gewählt 😉

Ich weiß schon, dass es für meine Freunde und Familie etwas kompliziert ist, mich zu erreichen. Manchmal dauert es eine ganze Weile, bis ich zurückrufe oder -schreibe. Für mich ist es befreiend, nicht ständig auf Abruf zu sein. Ich melde mich eben dann, wenn ich dazu komme. Und keiner kann böse sein, wenn das nicht innerhalb weniger Minuten oder sogar Stunden passiert.

Und trotzdem – man stelle sich vor – sind meine sozialen Kontakte nicht zum Erliegen gekommen. Im Gegenteil. Wir treffen uns einfach oder quatschen am Festnetz-Telefon, statt nur kurz eine Nachricht bei WhatsApp zu hinterlassen.

Auch ansonsten bin ich weniger gestresst. Vermutlich weil ich der ganzen Flut an Informationen jetzt besser entkommen kann. Ich habe jetzt unfreiwillige Zeitfenster, die für verschiedene Aktivitäten geeignet sind. Nachrichten lese ich morgens auf dem iPad, online wenn ich in der Arbeit bin, und um 20 Uhr informiert mich die Tagesschau. Wenn ich Lust habe zu spielen, kralle ich mir am Abend oder am Wochenende mein iPad und daddle nicht in der U-Bahn vor mich hin. Und private E-Mail checke ich maximal ein- bis zweimal am Tag. Reicht ja eigentlich auch …