Mein Monat ohne tierische Nahrungsmittel – mein Fazit

Wenn ein dampfender Braten oder ein saftiges Steak auf dem Teller liegt, denken die wenigsten von uns darüber nach, wie dieses Stück Fleisch dorthin gekommen ist. Ich wollte mir diese Gedanken bewusst einmal machen. Während meines 31-tägigen Selbstversuchs, ohne tierische Lebensmittel auszukommen, habe ich so einiges Überraschendes gelernt – über den Veganismus und über mich selbst.

Eines gleich vorweg – ich werde kein Veganer. Dabei muss ich zugeben, dass es gar nicht so schwer war, wie ich dachte. Es gibt viele Möglichkeiten, sich vegan gut zu ernähren, vor allem, wenn man selbst kocht. Für mich war es auf Dauer nur etwas einseitig, weil mir die Zeit fehlte, ständig Neues auszuprobieren, und anstrengend, so viel über Essen nachdenken zu müssen (siehe auch meinen Blog-Eintrag „Veganer Endspurt“).

Es gibt in Nürnberg (und anderen größeren Städten) eine ganze Reihe an Restaurants und Imbissen, die entweder rein vegan oder vegetarisch kochen oder zumindest einige Gerichte anbieten – Tendenz steigend, denn vegan liegt im Trend. Der Vegetarierbund (Vebu) hat die Nürnberger Lokale auf dieser Seite hier zusammengestellt und ergänzt sie laufend.

Das Dessert, das diesen Artikel bebildert und einem schon beim Ansehen den Mund wässrig macht, stammt übrigens aus einem rein veganen Lokal in Nürnberg: dem Tasty Leaf  in der Bogenstraße 43. Und ja, der Nougat-Turm schmeckt so lecker, wie er aussieht!

In diesem Monat habe ich einige kleinere und größere Überraschungen erlebt. Zum Beispiel hätte ich nicht gedacht, dass alle so positiv auf Thomas‘ und mein Vorhaben reagieren würden. Kein Murren oder Meckern, kaum ein „Warum machst du denn sowas?“ – die meisten waren sehr interessiert. Unsere Freunde haben sich wirklich richtig Mühe gegeben, uns zu unterstützen: Sie haben uns extra vegane Alternativen aufgetischt, den Keller nach etwas Essbarem für uns durchsucht und sind ohne zu meckern von einem Imbiss zum nächsten mitgelaufen, bis es auch für uns etwas gab. Dafür noch einmal ein dickes Dankeschön!

Überrascht war ich auch von mir selbst. Vegan zu essen ist mir leichter gefallen, als gedacht. Ich habe kein einziges Mal wissentlich tierische Produkte zu mir genommen und habe in Restaurants und Geschäften nachgefragt, wenn ich mir nicht sicher war. Ob mir natürlich immer ehrlich geantwortet wurde, kann ich nicht sagen …

Fleisch habe ich in den viereinhalb Wochen nicht vermisst und auch jetzt werde ich sicher nicht gleich zum Metzger rennen. Auf Fisch und Käse – am besten Pecorino oder Parmesan – hatte ich schon mehr Lust. Der Verzicht auf Eier war insofern schwierig, als sie manchmal in Nahrungsmitteln enthalten sind, von denen man es im ersten Moment gar nicht denkt.

Am schwersten ist mir der Verzicht auf Milch gefallen. Obwohl ich etliche Alternativen ausprobiert habe – von Soja- und Hafer-, über Mandel- und Haselnuss- bis hin zur Kokosmilch – hat mich in meinem Café Latte nichts 100%ig überzeugt. Allerdings werde ich für den Schuss Milch, den ich mir in der Arbeit in meinen schwarzen Kaffee schütte, in Zukunft wohl häufiger Kokosmilch nehmen.

Besonders interessant war für mich, wieviel besser es meinem Magen ging. Ich bin laktoseintolerant und denke, dass es vor allem daran lag, dass ich tatsächlich gar keine Milchprodukte zu mir genommen habe. Das zeigt mir, dass ich in Zukunft noch konsequenter sein sollte.

Ich werde zwar nicht gleich Veganer, will aber trotzdem nicht einfach so weitermachen wie zuvor. Das hat einen einfachen Grund: mein Gewissen. Nach allem, was ich in den vergangenen Wochen gelesen, gesehen und erfragt habe, ist die konventionelle Produktion tierischer Lebensmittel alles andere als unbedenklich. Mehr dazu könnt ihr in meinem Blog-Eintrag „Warum vegan?“ lesen. Bestimmt geht es nicht in allen Betrieben so zu, wie in dem Horror-Video von Peta. Aber sicher kann nur sein, wer sich selbst ein Bild macht. Das möchte ich in Zukunft – wo möglich – tun. Denn fragen kostet ja nichts, egal ob auf dem Bauernhof, im Restaurant oder Supermarkt.

Ich will mich sicher nicht zum Moralapostel aufspielen oder versuchen, jemanden zu überreden, Vegetarier oder Veganer zu werden – ich werde es ja selbst nicht. Aber wir sollten uns zumindest im Klaren darüber sein, was wir mit dem Genuss von Fleisch, Fisch, Eiern und Milch unterstützen. Wir sollten mit tierischen Produkten bewusster und respektvoller umgehen, uns überlegen, woher wir diese Nahrungmittel beziehen, und uns klar machen, dass Dumpingpreise kontraproduktiv sind. Denn am Ende entscheiden wir als Verbraucher, was uns ein Stück Fleisch oder eine Zehnerpackung Eier wert sind.

Indem wir auf Tierprodukte verzichten oder deren Verzehr einschränken, können wir unseren Teil dazu beitragen, dass sich vielleicht doch etwas verändert. Wer, wie ich, trotzdem weiterhin tierische Lebensmittel essen möchte, kann zumindest darauf achten, dass er es a) in Maßen tut und b) bei regionalen Erzeugern kauft, bei denen er sich über die Lebensbedingungen der Tiere informieren kann.