Veganer Endspurt

Seit fast vier Wochen ernähren mein Mann und ich uns jetzt vegan. Und ich muss sagen, so langsam wird es etwas zäh. Nicht dass es mir besonders schwer fallen würde, auf Fisch und Fleisch, Eier und Milchprodukte zu verzichten. Ich verspüre kein Bedürfnis nach Döner, Rührei oder Schäufele. Es ist auch nicht so, dass es keine leckeren veganen Gerichte gäbe. Es ist nur oft etwas anstrengend und einseitig.

Vor allem hängen mir so langsam die vielen Kohlenhydrate zum Hals heraus. Nudeln, Reis, Kartoffeln und Brot – alles echt lecker, aber ich kann es bald schon nicht mehr sehen. Natürlich essen wir auch Unmengen an Gemüse, aber das alleine macht leider nicht satt. Überhaupt stelle ich fest, dass ich durch das fehlende Eiweiß viel mehr essen muss, bevor ein Sättigungsgefühl einsetzt. Und so habe ich durch die vegane Ernährung eher noch zugelegt, als abgenommen.

Gut, beim Frühstück erwarte ich noch nicht einmal große Variationsmöglichkeiten, aber wenn Käse, Wurst, Schinken und Honig wegfallen, sind die Möglichkeiten für Brotbeläge recht schnell erschöpft. Neben Marmelade und Erdnussbutter, Gurke und Tomate kamen bei uns in den vergangenen Wochen vor allem vegane Aufstriche aufs Brot. Die schmecken zum Teil wirklich gut, aber irgendwie ist es doch immer dasselbe. Und veganer Käse ist kein Ersatz für das Original. So lande ich am Ende doch meistens bei Müsli oder Porridge mit Sojamilch.

Am schwierigsten ist es mittags – zumindest für mich. Wenn man sich nicht gerade jeden Tag mindestens für eine Stunde ins Restaurant setzen möchte, sind die Möglichkeiten für eine abwechslungsreiche Ernährung in Lauf relativ schnell erschöpft – selbst für „Allesfresser“. Und wenn man sich nur einen schnellen Imbiss gönnen möchte, wie ich das meistens tue, wird es vegan richtig schwer. Nicht zum ersten Mal bin ich am Freitag herumgeirrt und habe versucht, etwas Essbares aufzutreiben, das ich in den vergangenen Wochen nicht schon dreimal gegessen hatte. Nicht einmal der fertige Salat vom Bäcker ist vegan.

Am Abend oder am Wochenende finde ich es schon einfacher. Wer selbst kocht, wird wenig Probleme haben, vegane Alternativen zu finden. Allerdings habe ich nach einem langen Tag nicht immer Lust, zu kochen und neue Gerichte auszuprobieren. Deshalb landet häufig dasselbe auf dem Teller (Gemüsenudeln gehen einfach so schön schnell).

Auch auswärts zu essen ist nicht immer einfach. In vielen Restaurants ist es schwierig, etwas Geeignetes auf der Karte zu finden. Es gibt aber auch einige Lokale, die explizit vegane Gerichte anbieten. Sehr empfehlen kann ich zum Beispiel die Wirtshauskatze in Johannis (hier geht’s zum Facebook-Auftritt), ein kleines aber feines Thai-Restaurant, das viele Gerichte auch vegan anbietet. Fast komplett ohne Tierprodukte kommt die Speisekarte im Cigkoefte-Laden in der Schweiggerstraße aus (unbedingt mal ausprobieren!) und bei der Kuchenmanufaktur in Gostenhof sind wir auf veganes Gebäck gestoßen – das Bild zeigt ein Birne-Hollunder-Törtchen. Das „Tasty Leaf“, das mir eine Leserin empfohlen hat, werde ich auch auf jeden Fall noch testen.

Die ständige Nachfragerei geht mir auch auf die Nerven. Es ist einfach beschwerlich und anstrengend, ständig nachzuhaken und nachzulesen, ob man jetzt etwas essen darf oder nicht. Es widerstrebt mir, den Fokus so sehr auf die Nahrung zu legen, ohne dabei echten Genuss zu bekommen. Denn so gut viele vegane Gerichte sind, eine Offenbarung war bisher noch nicht dabei.

Um aber fair zu sein: Wer wirklich auf vegane Ernährung umstellen möchte, tut das normalerweise nicht einfach von heute auf morgen. Dieser „kalte Entzug“ ist schon etwas hart. Und er tut es auch nicht nur für einen Monat, sondern auf Dauer. Dann macht es auch mehr Sinn, richtig Zeit darauf zu verwenden, sich tolle Rezepte auszudenken und sie zu perfektionieren. Dann muss man nicht mehr überall nachfragen und nachlesen, bevor man in etwas hineinbeißen kann, weil man bei vielen Speisen bereits weiß, ob sie vegan sind oder nicht. Und das Wichtigste: Beim Veganismus geht es schließlich nicht vordergründig um den größtmöglichen Genuss, sondern um ethische, gesundheitliche und ökologisch sinnvolle Ernährung, für die Tiere weder leiden noch ausgebeutet werden.

Ich habe wirklich Respekt vor jedem, der die vegane Ernährung durchzieht und ich glaube, dass viele es schaffen, sich abwechslungsreich und lecker zu ernähren. Auch ich werde sicherliche einige Anregungen aus diesem Experiment für mich mitnehmen. Trotzdem beginne ich so langsam zu glauben, dass für mich eine komplett vegane Ernährung keine dauerhafte Lösung sein wird …